Schiefergas-Gebiete Deutschland Ockerfarben: Regionen die grundsätzlich die geologischen Voraussetzungen zur Bildung von Schiefergas aufweisen können. Diese Regionen zeichnen im Wesentlichen die bekannten Kohlenwasserstoff-Provinzen in den großen Beckenstrukturen nach. Gelb: Bergbau-Berechtigungen in Deutschland (Stand: 31.12.2011) mit dem Ziel der Exploration von nicht-konventionellen Kohlenwasserstoffen, unter anderem auch der Aufsuchung von Schiefergas. Quelle: BGR

Fracking: Risikostudie von Exxon

Die erste der von Dr. Kapp auf dem Themanabend vom letzten Mittwoch angekündigten Studien ist nun veröffentlicht.

Jürgen Stemke, Foto: Ralf ter VerJürgen Stemke, Energieexperte der Piraten. Foto: Ralf ter Ver

Das Ergebnis ist wenig überraschend. Man bemüht sich von Seiten der Energielobby zwar, die Neutralität des beauftragten Expertenteams hervorzuheben, das nun vorgelegte Papier beinhaltet aber kaum belastbares Material.

Ich kann an keiner Stelle feststellen, dass das Risiko beziffert, also quantifiziert wurde. Es gibt also keine Aussagen über erwartete Schandenshäufigkeiten und erwartete Schadensauswirkungen und Schadenssummen. Von einer „Risikostudie“ hätte ich solche Ergebnisse oder Hinweise darauf erwartet. Das Dokument sieht mir mehr nach einer Werbebroschüre aus.

Jürgen Stemke

Besonders hellhörig darf man werden, wenn man den Abschnitt über Haftungsfragen auf Seite 52 studiert. Hier wird klar, dass eine Versicherung derzeit nicht vorgeschrieben ist und eine solche Bergschäden auch nicht abdeckt. Es haftet also der Betreiber, meist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Die neutralen Experten empfehlen, „zu überlegen, ob man nicht über die Einführung einer Deckungsvorsorge den Abschluss derartiger Versicherungen sicherstellt.“

Aber selbst damit liegt die Beweislast immer noch beim Geschädigten, mit nur geringer Aussicht, den Kausalzusammenhang zwischen Schaden und Fracking gerichtsfest nachzuweisen. Die Beweislast für Schäden im Bergbau liegt nach Bergrecht zwar in der Regel beim Verursacher, doch wenn der Zusammenhang schwer nachweisbar ist und ohne Deckungsvorsorge kann es bei der Schadensregulierung zu ernsten Problemen kommen.

Die veröffentlichte Ausarbeitung ist absolut unzureichend. Für die Studie herangezogene Gutachten bleiben ungenannt und unveröffentlicht. Erste Pressestimmen zitieren die Studie jedoch schon mit den Worten „Das Risiko ist beherrschbar“. Natürlich kann man sagen, das Risiko sei beherrschbar. Das ist es bei der Kernenergie auch. Dort weiß man sogar ungefähr wie gut beherrschbar. Ungefähr 98,5% aller kommerzieller Kernreaktoren haben bisher nicht katastrophal versagt.

Für uns Bürger bedeutet dies, weiterhin wachsam zu sein und der Politik klar zu machen, dass ein solches Vorgehen nicht angebracht ist und in der modernen Informationsgesellschaft auch nicht mehr möglich ist!

Der nächste Termin zum Thema Fracking ist bereits am Donnerstag:

Zeit : 26. April 2012, 18:00 Uhr
Ort : Rittersaal des Herrenhauses Sickte (Am Kamp 12, in Sickte)

Ein Vertreter des Landesbergamtes wird zum Thema Fracking informieren.

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