Stellungnahme der FDP zu Fracking

Die FDP-Fraktion des Landtags Niedersachsen bezieht unter dem viel versprechenden Titel „Fakten zu Fracking.“ Stellung zum Thema Fracking. Update: Die Seite wurde inzwischen entfernt. Hier eine Kopie der Seite. Eine Umfrage der FDP ergab, dass 96% Fracking ablehnen. Dennoch setzt sich die FDP nach wie vor für Frackig ein.

Im folgenden werden wir die Stellungnahme der FDP ein wenig unter die Lupe nehmen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Thema Fracking beschäftigt die Öffentlichkeit in Niedersachsen seit Monaten immer wieder. Die Position der FDP-Fraktion ist dabei deutlich. Genannt seien hier die fünf wichtigsten Punkte:

1. Beim Hydraulic-Fracking-Verfahren handelt es sich um eine Technik, die in Deutschland seit Jahrzehnten angewendet wird.

Das ist richtig, allerdings in einem sehr beschränktem Umfang, unter Einsatz von weniger Chemikalien und in sehr großer Tiefe von mehreren 1000 Metern. Dieses Fracking ist mit dem Fracking der aktuellen Debatte nicht zu vergleichen.

Unsere bisherigen Erkenntnisse:

  • Die Lagerstätten für unkonventionelles Erdgas liegen in Niedersachsen in etwa 800 Meter Tiefe. Das Grundwasser befindet sich in Tiefen bis zu etwa 400 Meter. Beim Fracking können Risse von bis zu 600 Meter Länge entstehen. Das sind gänzlich andere geologische Verhältnisse. Wisse können die Grundwasserschichten direkt erreichen, auch die Gefahr, Klüfte, die mit dem Grundwasser in Verbindung stehen durch solche Risse mit dem Gasfeld zu verbinden ist ein relevantes Risiko.
  • Das bisher betriebene Fracking findet an wenigen Stellen statt. Bei der Förderung von unkonventionellem Erdgas durch Fracking wird das Land mit Bohrstellen überzogen. Der Abstand zwischen Bohrstellen würde etwa 3 km Betragen.
  • Dazu sind erheblich Mengen an LKW-Transporten und Lagerstätten für die verwendeten Chemikalien sowie für den Abtransport des aus der Bohrung stammenden giftigen und je nach Lagerstätte auch radioaktiven Abwassers notwendig.
  • Eine Bohrung wird etwa 20 Jahre betrieben werden und etwa 20 mal gefrackt werden.

Die gemachte Aussage der FDP ist im gegebenen Kontext grob irreführend.
Mehr zu den Erfahrungen mit Bohrungen und deren Sicherheit.

2. Die Energieversorgung und die Energiewende verlangt nach dieser Technik.

Das ist schlicht und ergreifend falsch. Lediglich einige Investoren verlangen nach dem Einsatz dieser Technik. Die Energiewende verlangt das Gegenteil, nämlich den Verzicht auf fossile Energieträger.

Mehr zu der Frage: Braucht die Energeiwende Fracking?

3. Saubere und effiziente Gaskraftwerke können die wetterabhängigen und jahreszeitlichen Schwankungen der Erneuerbaren Energien absichern. Wir sichern somit unsere Energieversorgung in jeder Hinsicht und nehmen Einfluss auf die Preisgestaltung bei Erdgas.

Das ist reines Blendwerk, gespickt mit Falschaussagen.

Gaskraftwerke sind nur so sauber, wie das Gas, das verwendet wird. Die Umweltbilanz von sogenanntem unkonventionellem Gas, das durch Fracking gefördert wird, ist jedoch schlechter als die von der „dreckigen“ Braunkohle. Schiefergas ist keine saubere Energiequelle. Normales Gas aus fossiler Förderung übrigens in der Regel auch nicht.

Die Vorkommen des durch Fracking gewinnbaren Gases und die möglichen Fördermengen pro Jahr in Deutschland sind sehr gering. Die gesamten Vorkommen in Deutschland sind nach voraussichtlich 20 Jahren Ausbeutung erschöpft. Deutschland kann sich mit den Fördermengen nicht selbst versorgen. Deutschland kann auch die gesamte Fördermenge an Gas nicht erhöhen, sondern durch diese zusätzlichen Quellen maximal die derzeitigen jährlichen Fördermengen beibehalten. Damit ist auch keine gesteigerte Einflussnahme auf die Preise möglich, zumindest nicht in Richtung sinkende Preise. Die Förderung durch Fracking ist extrem teuer.

Mehr zur Umweltfreundlichkeit von Schiefergas.

4. Wir sichern mehrere tausend Arbeitsplätze, wir sichern damit Forschung und Entwicklung in Deutschland und 500 bis 1.000 Millionen Euro pro Jahr an Förderabgaben für Niedersachsen.

Wir sollten uns damit abfinden und darauf reagieren, dass der Wohlstand in Deutschland nicht länger mit der Anzahl der Arbeitsplätze korreliert. Wir sichern 300.000 Arbeitsplätze in Deutschland, wenn wir die Energiewende voran treiben, so meldet das Bundesministerium für Umweltschutz und Reaktorsicherheit.

Für die Forschung und Entwicklung zu Fracking ist der Zug für Deutschland abgefahren. Bekannt ist, dass diese Technologie eine Hochrisikotechnologie ist und dass Experten auch nach 3-Jähriger Einarbeitung die bisherigen Erkenntnisse noch nicht vollständig verstanden haben. Wesentliche, neue Erkenntnisse sind jedoch nicht mehr zu erwarten.

Die Einnahmen durch Förderabgaben sind gering, verglichen mit den Erlösen, die die Industrie mit der Förderung erzielt. Ebenso stehen sie in keinem Verhältnis zu den Risiken, die bis heute nicht vollständig abgeschätzt werden können und den Kosten und Nachteilen für die Menschen, die einmal kontaminiertes Grundwasser verursacht.

Mehr zu Arbeitsplätzen durch Fracking.

5. Der Trinkwasserschutz muss an erster Stelle stehen – die FDP im Landtag setzt sich deshalb für strengere Kontrollen ein.

Vermutlich steht deswegen diese Forderung auch an der letzten Stelle der Aufzählung.

Kontrollen verhindern nichts. Kontrollen können immer nur prüfen, ob etwas passiert ist. Das ist völlig unzureichend.

Wir müssen dafür sorgen, dass unser Grundwasser und das Trinkwasser unverseucht bleiben.

Mehr zur Sicherheit von Trinkwasser und Grundwasser durch Kontrollen.

Wer diese Technik aufgrund gefühlter und abstrakter Befürchtungen in Frage stellt, gefährdet viel und gewinnt nichts. In diesem Aktuelles aus der Fraktion möchten wir Ihnen Fakten rund um das Thema Fracking und weiterführende Links zur Verfügung stellen. Für Ihre Nachfragen stehen wir wie immer gerne zur Verfügung.
Herzliche Grüße! Gero Hocker
Dr. Gero Hocker
Umweltpolitischer Sprecher

Antwort an die FDP

Sehr geehrter Herr Hocker,
sehr geehrte Damen und Herren der FDP,

Sie haben nicht ein einziges, valides Argument vorgetragen, das für die Anwendung des Fracking-Verfahrens spricht.

Auf Umweltaspekte gehen Sie bis auf die Forderung nach mehr Kontrollen nicht ein.

Die Rahmenbedingungen muss man abstecken, bevor kontrolliert wird. Was kontrolliert werden soll und was dann erlaubt ist und was nicht, muss vorher festgelegt werden.

Wer nur kontrollieren will, wer das Grundwasser und Erdboden verseucht hat, der hat Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht verstanden.

Die FDP winkt hier gewissenlos ein Industrieprojekt durch.

Insgesamt sind Ihre „fünf wichtigsten Punkte“ Vertretern der entsprechenden Industrie-Lobby würdig. Gibt es diesbezüglich etwas, das wir wissen sollten?

Genauso wenig, wie wir jemals ein Endlager in Gorleben akzeptieren werden, genauso wenig werden wir Fracking akzeptieren.

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