Schavan, vom Täter zum Opfer stilisiert - Häme im Netz Schavan, vom Täter zum Opfer stilisiert - Häme im Netz

Schavan: Vom Täter zum Opfer stilisiert

Am Wochenende ist es wieder einmal passiert. Wir haben einen Täter, und der wird plötzlich zum Opfer seiner Opfer stilisiert. Die eigentlichen Opfer werden beiseite geschoben, gar verhärmt und selbst angeklagt. Nein, diesmal geht es nicht darum, dass ein Mensch selbst schuld daran sei, was ihm widerfahren ist. Die Welt klagt darüber, dass die Täuschung von Frau Schavan aufgedeckt wurde und dass dies Konsequenzen hat.

Die Welt verklärt die Betrügerin als Opfer der BetrogenenDie Welt verklärt die Betrügerin als Opfer der Betrogenen

Die digitale Welt ist nicht schuld daran, dass Frau Schavan ihren Doktorgrad aberkannt bekommen hat. Frau Schavan hat dies selbst zu verantworten.

Frau Schavan ist nach der Erkenntnis ihrer Universität diejenige, die die Welt betrogen hat, digital wie analog. Sie hat jeden Menschen getäuscht, dem sie ihren falschen akademischen Grad genannt hat. Also auch Dich und mich. Sie hat bei der Bewerbung um ihren Arbeitsplatz getäuscht.

Wird Frau Schavan deswegen bestraft? Nein, wird sie nicht. Sie ist weder vorbestraft, noch muss sie ihre Einnahmen abgeben, die sie als falsche Frau Doktor erzielt hat. Sie verliert nicht einmal ihr Mandat, zu dessen Bewerbung sie die Wähler in Ulm getäuscht hat. Sie behält auch ihre Pensionsansprüche und eine Abfindung (Übergangsgeld) nach dem Rücktritt aus ihrem Minister-Amt, für das sie bei ihrer Bewerbung getäuscht hat. Nur das falsche Zeugnis wird korrigiert.

Was verliert Fau Schavan durch Aufdeckung ihrer Täuschung?
Nichts, außer Glaubwürdigkeit und einen erschwindelten Ministerposten.

Die Welt beschuldigt nun den anonymen, digitalen Mob, schuld an der Misere zu sein.

Dass jemand die Frage nach Glaubwürdigkeit stellt ist legitim, insbesondere wenn glaubwürdig Zweifel dargelegt werden können. Dazu muss man keinen Namen nennen. Namen nennen müssen vor allem Menschen, die auf Macht und Beweihräucherung setzen. Wenn Fakten schwerer als Namen wiegen, dann ist das gut so. Es war auch der anonyme Machtbürger auf der Straße, der ACTA gestoppt hat. Auch weil er anonym bleiben möchte. Und das ist gut so. Der Bürger hat die Macht. Das ist die Grundlage unserer Demokratie. Und das ist gut so. Das muss so bleiben, auch wenn große politische Parteien in Deutschland daran arbeiten, diese Demokratie abzuschaf..änderen.

Das zweite zentrale Mantra des Artikels, „der Computer hat Recht“, ist ebenso falsch. Der Computer tut, was der Mensch ihm sagt. Am Beginn wie am Ende dieser Entscheidungskette steht der Mensch. Er trifft an beiden Enden die entscheidenden Entscheidungen. Die Brille verteufelt auch kein Mensch, nur weil sie den Menschen hilft, besser zu sehen und Dinge zu erkennen. Der Computer ist nichts anderes, als eben so ein Werkzeug, dass uns unter anderem helfen kann, Informationen besser zu erkennen. Zu nichts anderem wurde er hier genutzt.

Der Mensch hat das Ergebnis geprüft und daraufhin eine Entscheidung gefällt und eine alte, falsche Entscheidung korrigiert. Warum die Welt eben diesen alten Fehler der Universität dieser diesen vorhält, die Konsequenz der festgestellten Täuschung aber ab lehnt, kann die Welt nicht schlüssig dar legen. Die Welt ist falsch.

Jürgen Stemke

PS: Frau Schavan kat keinen ihrer fünf Doktortitel aberkannt bekommen. Diese darf sie weiter führen. Auch hier schreibt die Welt falsch.

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