Wasserprobe Betroffene mit einem Glas Leitungswasser. Das Wasser wurde von der Gasfirma als unbedenklich eingestuft. (Bild: Gasland)

Gas im Trinkwasser?

Gelangt Gas aus Fracking-Bohrungen in das Trinkwasser?
Die Industrie verneinte dies bisher.

Wissenschaftler der Duke-Universität in den USA haben Trinkwasserbrunnen in der Umgebung von Gasbrunnen untersucht. Das Max Planck Institut in Jena bestätigt die aufschlussreichen Erkenntnisse.

Die Studie

Die Wissenschaftler untersuchten 141 Wasserproben aus privaten Trinkwasserbrunnen im Gebiet des Marcellus Gas-Schelfes im Norden von Pennsylvania.

Durchschnittlich waren in einem Umkreis von 1 km die Werte von Methan sechs-fach erhöht. Die Konzentration von Ethan war um den Faktor 23 höher. In 10 Proben wurde Propan gefunden, alle im Umkreis von 1 km um Bohrstellen.

Die Werte von Methan, Ethan und Propan, sowie die Funde von Kohlenwasserstoffen und Helium lassen darauf schließen, dass das Trinkwasser durch die Bohrungen verunreinigt wird. In einigen wenigen Fällen ist das Wasser trübe, das könnte aber auch auf eine mangelhafte Ausführung des Brunnens zurück zu führen sein.

In 86% aller Proben im Umkreis von 4 km um Bohrungen wurde Methan festgestellt. Deutlich wird, dass mehr Gas im Wasser gefunden wird, je näher sich der Brunnen an einer Bohrstelle befindet.

Grafik Methan im TrinkwasserFunde von Methan im Trinkwasser. Dargestellt ist die Menge im Verhältnis zur Entfernung zu einer Gasbohrstelle. Bei 1 km Abstand steigt die Gaskonzentration dramatisch an.
Der graue Balken beschreibt den Schwellwert zur Gefahrenabwehr bei Methan-Migration. Oberhalb des grauen Bereiches empfiehlt das Innenministerium Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr.

Besonders interessant sind die Vorkommen von Ethan und Propan, da es dafür keine biologischen Quellen in dieser Gegend gibt, das geförderte Fracking-Gas jedoch einen relativ hohen Anteil dieser Gase hat.

Eine Untersuchung aller möglichen Ursachen für die Befunde lässt nur den Schluss zu, dass die Gasquellen für die Kontamination des Trinkwassers in Frage kommen. Die Wissenschaftler vermuten des weiteren, dass zwischen den oberen Grundwasserschichten und tief liegenden Solebecken Wegsamkeiten existieren (Solebecken sind tiefe wasserführende Schichten, oft mit hohem Salzgehalt). Beim Fracking verwendete Chemikalien konnten nicht nachgewiesen werden. Das bedeutet, die Gefahr durch die aufgebrochene Lagerstätte selbst ist wesentlich höher, als die Gefahr durch die verwendete Chemie.

Diese Studie ist die erste, die den direkten Nachweis führt, dass Trinkwasser durch Ethan- und Propangas kontaminiert wird. Sie zeigt auf, dass die Integrität von Gasquellen sowie die geologischen Gegebenheiten eine wichtige Rolle bei der Kontamination von Grundwasser spielen. Dies muss berücksichtigt werden, bevor man das erste Loch bohrt.

Fazit

Die Wissenschaftler belegen die Feststellung der betroffenen Menschen, dass das Fracking unmittelbar die Ursache der Kontamination des Trinkwassers darstellt. Sie widerlegt eindeutig die Schutzbehauptungen der Industrie. Bohrungen halten nicht dicht.

Die Studie belegt auch, dass die Wegsamkeiten für Gase und Wasser unter der Erde sehr vielschichtig sind. Wasser ist auch unter der Erde nicht beschränkt auf einen Ort.

Schließlich zeigt die Studie auf, dass die eingesetzten Chemikalien nicht das größte Problem sind, sondern eine erhebliche Gefahr durch frei werdende Stoffe aus den aufgebrochenen Lagerstätten selbst begründet ist.

Ich sage:

Solange nicht garantiert werden kann, dass Bohrungen auf unbestimmte Zeit dicht halten, darf das Land nicht mit einem dichten Netz von Bohrungen überzogen werden. Die Bohrungen sind das Problem, die eingesetzten Chemikalien spielen eher eine Nebenrolle.

Derzeit ist es unmöglich, eine Bohrung auf unbestimmte Zeit dicht zu halten. Jede Bohrung wird im Laufe der Zeit undicht. Deshalb müssen wir auf Fracking verzichten.
Jürgen Stemke

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