Die gläserne Gesellschaft? Das Ende der Geheimnisse?

(Video: 44:44)

Ich habe nichts zu verbergen?

Doch. Jeder hat etwas zu verbergen. Wer Kleinkinder hat weiss, selbst kleine Kinder haben Geheimnisse. Selbst kleine Kinder schützen ihre Privatsphäre.

Im diesem Beitrag spricht der Philosoph und Erfolgsautor Richard David Precht mit einer Expertin, die mit dem Thema bestens vertraut ist: Marina Weisband, angehende Psychologin, Autorin und Ex-Geschäftsführerin der Piratenpartei.

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Kritisch wird Überwachung auch, wenn diese einen zu Unrecht beschuldigt und man selbst keine Möglichkeit hat, aus dem Kreis der Verdächtigung zu entkommen.

Überwachung bedeutet:
Jeder ist verdächtig, bis die Schuld „nachgeweisen“ ist.
Jürgen Stemke.

„Das Internet hat die Voraussetzung für eine grenzenlose, radikal offene wie ungefilterte Kommunikation geschaffen. Diskussionen, Meinungen und Selbstdarstellungen von jedermann sind im Netz für jeden einsehbar. In Foren, Chats, Blogs, auf Twitter und Facebook kann heute jeder alles posten, liken oder Shitstorms gegen andere entfachen. Das Aufweichen der Grenzen zwischen Intimität und Öffentlichkeit hat ein neues Verständnis von Gesellschaft erzeugt, das viele nun nicht mehr nur auf die Netzwelt beziehen wollen.

Transparenz heißt das Gebot der Stunde, totale Offenheit im Politischen wie im Privaten. Über diesen vielschichtigen Begriff diskutiert der Philosoph und Erfolgsautor Richard David Precht in seiner ZDF-Philosophiesendung mit einer Expertin, die mit dem Thema bestens vertraut ist: Marina Weisband, Ex-Geschäftsführerin der Piratenpartei und Autorin.

Besonders die junge Generation fordert heute Transparenz: in der Arbeitswelt, der Wirtschaft und vor allem in der Politik. Was bisher hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde, daran soll nun jede Bürgerin und jeder Bürger teilhaben können. Und in immer stärkerem Maße auch mit entscheiden dürfen. Mehr Teilhabe soll auch mehr Akzeptanz erzeugen. Aber ist die Forderung nach mehr gesellschaftlicher Transparenz das Heilmittel gegen Polit-Affären, Korruption, Machtmissbrauch und Politikverdruss? Brauchen wir, so fragt Precht, ein Update auf eine Demokratie 2.0? In der mit offener Kommunikation, einschließlich der Offenlegung aller Privatvermögen, wieder ein stärkeres Vertrauen zwischen Regierenden und Regierten geschaffen wird? Oder ist die Vision einer Transparenzgesellschaft in Wahrheit der Albtraum in Form einer Kontrollgesellschaft, in der dann, laut Lenin, Vertrauen gut, Kontrolle aber eben besser ist?

Wie ist es überhaupt um das tatsächliche Bedürfnis der Menschen nach Einblick und Mitbestimmung bestellt? Marina Weisband beklagt in ihrem Buch „Wir nennen es Politik“ den Widerspruch zwischen dem Desinteresse der Bevölkerung an politischer Einflussnahme aber der gleichzeitigen Lust am Shitstorm. Auch sie kommt, wie schon der Berliner Philosoph und Transparenz-Kritiker Byung-Chul Han, zu dem Schluss, dass das Instrument der simplen Machtausübung wohl kaum aus der Politik zu entfernen ist. Das aber schafft jene Politiker mit dem „Scheißegal-Gen“, wie es Weisband nennt, die sich eher durch Durchsetzungskraft und Stehvermögen auszeichnen als durch gute politische Ideen. Hat Weisband ihren Traum von einer besseren Politik durch Transparenz bereits aufgegeben? „

Aus dem Text der Redaktion unter http://precht.zdf.de/ZDF/zdfportal/pr…

Ein Kommentar

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    Dipl. Ing. Jürgen Stemke

    Weiss der Himmel, warum solch gute Sendungen erst Nachts um fünf vor zwölf ausgestrahlt werden, aber seien wir dankbar, dass sie noch möglich sind.

Was denkst du?