Fragen des Stadtjugendrings

Der Stadtjugendring hat mir ein paar Fragen gestellt. Die Antworten sind auch auf der Seite des Stadtjugendrings nachzulesen

Zur Person

Wenn Sie sich in drei Worten beschreiben müssten, welche wären dies?

Das geht nicht. ;)

Welcher Beruf war ihr Kindheitstraum?

Viele. Mein erster war Busfahrer so mit 3-4 Jahren, soweit ich mich erinnere. Ich fand es cool, vor dem Vorderrad zu sitzen. Bei meinem Tretauto hab ich gerne einen Leiterwagen als Anhänger angebunden und war dann LKW. ;)

Lebenszeit & Beruf

Haben Sie noch Zeit für Hobbies und wenn ja, welche sind dies?

Als Ausgleich zu Computer & Internet ziehe ich mich von Zeit zu Zeit in eine mittelalterliche Welt zurück. Dort bin ich meist Harfenspieler oder Alchemist. Ebenso habe ich schon auf Theaterbühnen gestanden und antike Stücke aufgeführt. Beschäftigt man sich mit vergangenen Zeiten, ist es erstaunlich, wie fortschrittlich die Menschen schon immer waren und wie sehr wir Mensch geblieben sind.

Wie viel Zeit haben Sie pro Woche zur freien Verfügung?

Wie jeder freie Mensch habe ich 168 Stunden in der Woche zur Verfügung. 

Was für eine Ausbildung/Studium haben sie?

Ich habe eine wissenschaftliche Ausbildung zum Diplom-Ingenuer der Elektrotechnik und Informationstechnik. Das war ein sehr breit angelegtes Studium, bzw. ich habe es mir sehr breit angelegt. Ich habe im Reinraum für Bildschirmtechnik gearbeitet, hatte Feldtheorie und Hochfrequenztechnik ebenso wie Impuls und Digitaltechnik, Netzwerktechnik oder Supraleitung. Ich habe im Robotik-Labor Robotik gemacht, habe an automatischen Reinigungsrobotern mit entwickelt und als Diplomarbeit mich um Wegeplanung für automatische Einparkmanöver gekümmert.

Im Wesentlichen habe ich gelernt, Dinge zu analysieren, zu begreifen und zu bewerten und Fragen zu stellen. Dadurch ist es schwer, mir „die Story vom Pferd“ zu erzählen, da ich gut einschätzen kann, wie fundiert eine Argumentation ist.

Warum Politik

Was macht ihnen an Politik Spaß?

Der Kontakt mit Menschen und die Idee, die Welt für die Menschen zu verbessern.

Warum sind sie politisch aktiv geworden und warum in dieser Partei?

Zorn und Zuversicht treiben mich an. Zorn über die Falschheit der etablierten Politik, über die Einschränkungen unserer Grundrechte und den sachlich falschen, angegebenen Gründen, mit denen diese Politik forciert wird. Aber ich habe  die berechtigte Hoffnung, hier etwas ändern zu können. Auch außerhalb der Parlamente haben wir schon viel erreicht, vor dem Verfassungsgericht bisher jede Klage gewonnen und einiges auf der Straße mit umgesetzt, z.B. den Stopp von ACTA. Jetzt wird es Zeit, dass auch im Bundestag ein frischer Wind weht.

Jung sein in Wolfsburg und Umgebung

Glauben Sie die Stimmungen und Themenlagen der Jugendlichen zu kennen? Welche sind dies?

Jein. Ich muss gestehen, dass ich außer zufälligen Kontakten nur wenig Kontakt mit „der Jugend“ habe. Ich denke aber, dass junge Menschen, wie alle Menschen, Träume und Visionen haben und selber sehr gut empfinden können, was sie interessiert und was sie wollen. Ich selbst fühle mich meiner Jugend noch nicht entwachsen und finde das gut. Aufgabe der Politik ist es, Freiräume zu schaffen, die jugendliche als mündige Bürger frei nutzen und gestalten können. Ich bin überzeugt, die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens wird auch die Situation von jungen Menschen deutlich stärken, so wie sie die Situation aller Menschen stärken wird.

Auf welche Art und Weise und in welcher Regelmäßigkeit kommen sie mit Jugendlichen (vor Ort) ins Gespräch?

Gezielt eigentlich immer nur im Wahlkampf. Der letzte Wahl-Checker hat mir großen Spass gemacht. Damals habe ich versucht den Spieß etwas um zu drehen, so dass die Leute vor Ort nicht nur etwas über mich und meine Ansichten erfahren haben, sondern dass auch ich etwas über die Ansichten der jungen Menschen vor Ort erfahren habe.

Zufällig komme ich auf der Straße oder in alltäglichen Situationen mit jungen Menschen ins Gespräch. Zuletzt als ich mit Auszubildenden der Bäckerei meines Bruders gesprochen habe, über deren Lebensmodell, Erwartungen, Hoffnungen, Träume und scheinbare Zwänge. 

Ehrenamt

Wie können sie das ehrenamtliche Engagement junger Menschen fördern und unterstützen?

Ich glaube daran, dass Menschen gerne tun, was sie gerne tun wollen. Ehrenämter sind eine Tätigkeit, die man ziemlich ausschließlich aus dieser Situation heraus erfüllt – wenn man sich nicht andere Vorteile erhofft. Hier wird es dann schon wieder politisch.

Wichtig ist, dass die Arbeit Spass macht und der Spass am Ehrenamt auch nicht durch unnötige bürokratische Hürden getrübt oder genommen wird. Wir müssen Dinge ermöglichen. Auch hier halte ich das Bedingungslose Grundeinkommen für ein Mittel, dass ehrenamtliche Tätigkeiten honoriert, und den Menschen die Zeit gib, diese wahr zu nehmen.

Auch bei unserem Schulsystem und dem Studium sollten wir darauf achten, dass den Menschen noch genug Freiheit bleibt. Die Entwicklung zum verschulten Studiensystem sehe ich hier kritisch. 

Welche Regelungen für die Freistellung von Unterricht/Studium für ehrenamtliche Tätigkeiten können sie sich vorstellen?

Ich halte die Vollverplanung von Schulzeit und Studienzeit für eine falsche Entwicklung. Wir brauchen ein Bildungssystem, das den Lernenden auch Freiheiten für ihre Entwicklung und Teilhabe auch außerhalb von Schule und Uni ermöglicht. Das darf nicht erst auf Antrag geschehen müssen.

Welchen Stellenwert hat für sie die „parteieigene“ Jugendorganisation?

Leider haben wir noch keine JuPis, Junge Piraten, in Wolfsburg. In Niedersachsen sind die JuPis sonst eigentlich recht lebendig. Ich unterscheide aber nicht, ob ein Mensch nun zu den JuPis gehört oder nicht, wenn ich mit ihm rede.

Jugendarbeit und Schule

Wie bewerten sie die verschiedenen Veränderungen in der Schul- und Ausbildungslandschaft (z.B. hinsichtlich Abitur nach 8 Jahren, Ganztagsschule, verkürzte Ausbildung, Studium nach Bachelor/Master)?

:) Da habe ich in den Fragen zuvor dann schon etwas vorgegriffen.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man auch während der Lehre Zeit für Freiräume benötigt, um sich auch mit Dingen jenseits von Schule und Uni zu beschäftigen. Mit sind schon einige Klagen von G8-Betroffenen zu Ohren gekommen, dass der Unterricht zu eng gepackt ist. Ich selber habe Realschule mit anschließendem Technischen Gymnasium gemacht. Das Gymi war auch bei uns schon sportlich. Ich denke, wenn man die Zeit reduzieren möchte, dann muss man auch den Inhalt anpassen. Für die Länderhaushalte bietet das Verkürzte Schuljahr eine erhebliche Kostenreduktion bei der Bildung. Das sollte aber meiner Ansicht nach nicht das Ziel einer Bildungsreform sein.

Gleiches gilt meiner Ansicht nach auch für das Berufsleben. Die Menschen brauchen Zeit, sich auch mit sich und der Welt um sie herum zu beschäftigen. Zu oft höre ich die Aussage von Menschen, „Ich würde ja gerne etwas tun, aber ich habe einfach keine Zeit.“

Beim Studium habe ich es für gut empfunden, selber entscheiden zu können, wie ich mir das prüfungsrelevante Wissen aneigne und ob oder welche Vorlesungen ich besuche. Ich empfinde es gut, den Studenten die Verantwortung für ihr Studium selbst in die Hand zu geben. Wer ein verschultes Studium mochte, konnte früher die FH wählen.

Gerade im Bezug auf Ehrenämter erfahre ich von betroffenen Studenten immer wieder, dass hier eben vieles nicht mehr geht, weil sie bei den Vorlesungen anwesend sein müssen. Ich halte das für eine Überregulierung, also für falsch.

Wo sehen sie in Zukunft die Herausforderungen in der Kooperation von Jugend(verbands-)arbeit und Schule?

Ich denke das ist eine Frage, die eher die Jugendverbände mir gegenüber beantworten können, die in der alltäglichen Arbeit mit diesen Herausforderungen konfrontiert sind. Die Antworten kann die Politik hier nicht vorgeben, man muss sie gemeinsam mit den Menschen erarbeiten, die betroffen sind.

Demokratie und Partizipation

Welche Formen von Jugendbeteiligung sind bundesweit angebracht und aus Sicht ihrer Partei geplant, einzuführen?

Welche Formen von Jugendbeteiligung schlagen die Jugendorganisationen vor? Die Piraten sind eine Partei, die grundsätzlich mehr Partizipation ermöglichen wollen. Das wollen wir unabhängig vom Alter der Menschen. Ganz aktuell haben wir zum Beispiel das Portal OpenAntrag.de ins Leben gerufen. Hier kann man Anträge an die Politik formulieren und die Politik kann diese aufgreifen. Auch in Wolfsburg bringen wir Piraten Anträge von Bürgern ein – und obwohl beim letzten die Politik den Antrag zunächst abgelehnt hatte, hat sich nun die Politik von der Verwaltung überzeugen lassen, dass der Antrag nun doch umgesetzt werden soll.

Bei welchen Themen ist Beteiligung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig?

Bei den Themen, die Kinder und Jugendliche direkt betreffen. Das sind unter anderem: Entfaltungsmöglichkeiten vor Ort, Schule, Freizeitgestaltung, Studium, aber auch die Verfügbarkeit der eigenen Eltern und damit in der Arbeitsmarktpolitik. Gerade das halte ich für ein sträflich vernachlässigtes Thema, an das völlig falsch heran gegangen wird. Gerade hier könnte auch das Grundeinkommen die Familien und die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen stärken. Eltern, die zu Lasten der Erwerbstätigkeit sich mehr um ihre Kinder kümmern werden so nicht mehr bei Erwerbseinkommen und Rente benachteiligt, im Gegensatz zu unserem heutigen, unsozialen Sozialsystem.

Jugendpolitik

Was halten sie vom Konzept der „Eigenständigen Jugendpolitik“?

Wir brauchen mehr als nur Symbolpolitik. Was halten denn die Jugendverbände von dem Konzept und vor allem von dem Vorgehen? Gibt es spürbare Resultate? Braucht die Jugend Fürsprecher, oder kann sie besser selbst für sich sprechen?

Ich halte junge Menschen für relevante Mitglieder der Gesellschaft, die gehört werden sollen, wie jeder andere Mensch auch. Dazu muss die Gesellschaft dieser Bevölkerungsgruppe auch deren Bedürfnisse akzeptieren und Freiräume schaffen.

Wie könnte dies umgesetzt werden und was könne sie dazu beitragen?

Ich habe mich bisher nicht intensiv und speziell mit Jugendpolitik befasst und kannte die Initiative bisher nicht. Ich habe bei meiner Recherche zur Beantwortung dieser Frage wenig konkretes gefunden. Was ich gefunden habe, sind Forderungen zur Jugendpolitik, die ich eigentlich für völlig normal halte.

Ich bekomme das Gefühl, dass hier eine Schere in den Köpfen von Politikern und Gesellschaft sitzt oder dass eine eine ganze Bevölkerungsgruppe ignoriert wird. Eben so wichtig wie konkrete Maßnahmen ist es dann, diese Schere zu entfernen.

Nachhaltigkeit

Was bedeutet für sie nachhaltig leben?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, so zu leben, dass ich mit den Ressourcen diesen Planeten verantwortungsvoll um gehe und die nachfolgenden Generationen möglichst nicht durch mein Verhalten belaste.

Treten sie für diese Werte in der Öffentlichkeit ein? Wenn ja, wie; wenn nein, warum nicht?

Ich trete dafür ein. Dafür mache ich Politik. Zudem versuche ich nachhaltig zu leben. Zum Beispiel nutze ich Strom aus 100% erneuerbaren Energien aus Deutschland. Wenn der Wind in Wolfsburg weht, kommt mein Strom aus den Windkraftanlagen bei Ehmen, sonst aus Wasserkraft an der Elbe, ggf. auch aus Solaranlagen. Mein PKW ist ca. 10 Jahre alt, ich fahre meist nicht mehr als 5000 km im Jahr und verbrauche dabei ca. 3,6-4,1 Liter Diesel auf 100 km. Wenn der Motor mal hin ist, lässt sich mein Auto relativ leicht auf Elektroantrieb umrüsten, mit Reichweiten bis zu 650km pro Akkuladung.

Bei alle dem habe auch ich Laster und bin nicht perfekt. Ich esse gerne Fleisch und checke beim Einkauf der alltäglichen Lebensmittel und Konsumgüter oft noch nicht auf ethische Verträglichkeit, also z.B. ob ich mit dem Einkauf verdeckt Unternehmen wie Monsanto unterstützte, oder beim Kauf von Schokolade die Kindersklaverei in Afrika fördere. Ich bemühe mich zwar weniger Kunststoff und Kunststoff-Verpackungen zu kaufen, aber auch das mache ich (noch) nicht konsequent genug.

Wünsche

Wenn sie „König/Königin“ wären, welche Ihrer politischen Ziele würden sie sofort umsetzen?

Ich würde Demokratie einführen. – Dazu gehört für mich auch eine bedingungslose, soziale Grundsicherung, die Teilhabe an der Demokratie ermöglicht. Menschen brauchen auch Zeit für Demokratie.

Wenn sie drei Dinge für Wolfsburger Kinder und Jugendliche verändern könnten, was würden sie tun?

Ich würde die Steuer-, Familien-, Renten-, und Sozialpolitik reformieren, so dass die Menschen sich die Zeit für Familie nehmen können, ohne in Gefahr zu geraten in eine Hartz-4-Verarmungsspirale zu geraten. Damit wäre auch die „Rente“ für die Kinder und Jugendlichen gesichert und Kinder und Jugendliche hätten wie alle Menschen ein Bedingungsloses Einkommen, das die Grundbedürfnisse decken kann.

Was denkst du?